07.03.2017 Bremervörde Von: Ute Mahler-Leddin
Rathauskonzert wieder ein fulminanter Erfolg

Stadtkapelle spielt international

Auch das 26. Rathauskonzert der Bremervörder Stadtkapelle war wieder ein voller Erfolg und der Ratssaal bis auf den letzten Platz besetzt.

Würdevoll ging es mit dem Konzertmarsch „Arsenal" von Jan van der Roost los - eine Mischung aus vollmundiger Kraft aller Blechblasinstrumente, gepaart mit den zarten Tönen der verschiedenen Flöten und den fast spielerischen Klängen des Marimbaphons.

Der Dirigent der Stadtkapelle, Mirco Benthien, freute sich über den großen Zuspruch in dem erneut ausverkauften Ratssaal und erinnert an seine Aussage vom vergangenen Jahr „nächstes Jahr wird es anders werden". Er stellte fest, „wie schnell doch so ein Jahr vergeht". Die Problematik, einen passenden Raum für ein Konzert zu finden, hat sich auch in den vergangenen 12 Monaten nicht geändert – nach wie vor fehlt es sowohl an einem Saal für Konzerte als auch an Übungsräumen und Lagermöglichkeiten für die teilweise doch sehr großen Instrumente.

Das Orchester ist über die Jahre größer – und somit leider auch teurer geworden. Hier dankte Benthin noch mal ihrem starken Partner, der Volksbank e.G., die die Finanzierung des Tamtams unterstützt hat. Als Dank wurde das aus der Feder von Ramin Djawadi stammende Stück der US-amerikanischen Fantasy-Serie „Games of Thrones" gespielt, dass im letzten Jahr noch ohne diesen dazugehörigen Special Sound des ostasiatischen Metallgongs gespielt wurde. Beeindruckend - mehr gibt es nicht zu sagen.

Internationale Werke waren scheinbar das Motto des diesjährigen Rathauskonzertes, denn „Hobbits Dance and Hymn" aus der Symphony No. 1 „The Lord of the Rings" lies mit einer Leichtigkeit die Töne durch den Saal fliegen wie kleine Hobbits, gefolgt von den schweren Klängen der Krieger. Melancholische Momente hingegen zeigten die Dramaturgie dieses aus der Feder von Johan de Mei stammenden Stückes auf und entführten das Publikum in den Kontinent Mittelerde.

Die Moderation des Konzertes übernahm Gaby Lührßen und verriet, das die Stadtkapelle das folgende Stück „Children of Sanchez" von Chuck Mangione nicht in der 14-Minütigen Originalfassung, sondern in gekürzter Form spielen würde. Hier zeigte sich, dass sich die Qualität des Orchesters in den letzten Jahren immer weiter verbessert hat, denn dieses Stück sei sehr anspruchsvoll gewesen, betonte auch Mirco Benthien. Beeindruckende Solisten waren bei dieser Interpretation Rolf „Chuck" Schröder am Flügelhorn und Mika Krause am Saxophon.

Romantisches Flair aus Österreich bot das Lied „Ich gehör´ nur mir" aus dem Musical „Elisabeth", besser bekannt als Sissi, die Kaiserin von Österreich. Hier unterstützte Angela Martens die Stadtkapelle und besang das Leben und das Leiden der strahlend schönen und grazilen Kaiserin.

Das anlässlich des Befreiungstages der niederländischen Provinz Groningen von Jacob de Haan komponierte „Free World Fantasy" beeindruckte durch seine rhythmische und abwechslungsreiche Weise, die unter die Haut ging. Ein Stück zum Träumen, Innehalten, Eintauchen in eine andere Welt – um dann, im zweiten Teil, schwungvoll und energiegeladen eine große Portion Freude auszustrahlen. Genau diese Emotionen konnte man den 64 Musikern ansehen – Freude. Eine Einheit, die der Zuhörer förmlich greifen und spüren konnte. „Eines der größten Musikensembles der Region – nur mit Harmonie erreicht man diese Gemeinschaftsgefühl" plauderte Lührßen aus dem Nähkästchen in ihrem Lobgesang auf den Dirigenten Benthien.

Vor der Pause spielten die Musiker noch „Storie di tutti i giorni" von Maurizio Fabrizio – ein tolles Lied, bei dem die Musiker so richtig zeigen konnten, was in ihnen steckt.

Einzelne Musiker aus der Stadtkapelle lobend zu erwähnen ist eigentlich frevelhaft, denn jeder einzelne begeisterte und alle zusammen zeigten sich als große Einheit, die etwas unvergessliches und unvergleichliches geschaffen haben.

Trotzdem musste so mancher Zuschauer den Musiker Nico Marx immer wieder bewundernd beobachten, denn er wechselte zwischen Schlagzeug, Tamtam, Marimbaphon und Xylophon immer wieder hin und her.

Stolz verwies Benthin auch auf die außergewöhnlichen Instrumente des Ensembles, das Fagott das Waldhorn, das seit Jahren aus den eigenen Reihen besetzt werden kann.

Auch im zweiten Teil gaben die Musiker nochmal alles und starteten mit den „Pirates of the Caribbean", bei dem auch das Tamtam wieder zum perfekten Einsatz kam und als Bereicherung für das Stück diente.

Einer der ganz großen argentinischen Komponisten ist Astor Pizolla, der in seinem Leben über 300 Tangos komponiert, für über 50 Filme die Musik geschrieben und über 50 Schallplatten produziert hat. Er gilt als Begründer des „Tango Nuevos" für den er sich Zeit seines Lebens verstecken musste. Hier aber wurde der „Libertango" stolz und mit erhobenem Haupt intoniert.

Der britische Musiker und Komponist John Miles gehört dank seiner Zusammenarbeit mit Alan Parsons Projekt und der Nokia Night of the Promps zu den renomiertesten Musikern weltweit. Das weltbekannte Stück „Music" ist wie für die Stadtkapelle gemacht, denn die ersten Worte heißen „Music was my first love - and it will be my last". Atemberaubende Tempowechsel und der stimmige Einsatz der verschiedenen Instrumente begeisterte das Publikum und weckte bei vielen Erinnerungen an alte Zeiten.

Das Wiegenlied „Summertime" von George Gershwin wurde von Markus Steinbach gesungen, der mit seiner leicht rauchigen Stimme und dem ganz besonderen Timbre das Publikum beeindruckte. Hier zeigte sich, dass die Stadtkapelle sehr gut mit ausdrucksstarken Stimmen harmoniert.

Zum Schluss gaben die Musiker noch einmal so richtig Gas und imponierten mit einem fast zehnminütigen Potpourri aus dem wohl schönsten Musical, „König der Löwen", - Hakuna Matata, was so viel bedeutet wie „es gibt keine Schwierigkeiten". Und genau das war es an diesem unvergleichlichen Abend im Ratssaal - ein Abend ohne Schwierigkeiten, aber gekrönt von zahlreichen Höhepunkten.

Ein Konzert der Stadtkapelle ohne Marsch kann man sich kaum vorstellen, so war auch der letzte - offizielle- Beitrag der „Marche des Parachutitistes Belges".

Tosender Beifall forderte eine Zugabe in Form der schwungvollen Polka. Aber auch danach wurden die Musiker noch nicht entlassen, stehende Ovationen forderten eine weitere Zugabe – in diesem Falle noch ein Stück aus dem Musical „Blues Brothers".