19.05.2017 Lilienthal Von: Eva Kairies
Freilichtbühne steht kurz vor Umbau

Letzte Premieren vor alten Rängen

Am 27. Mai, 17 Uhr, wird es die Premiere für Schneewittchen geben, das allerdings mit sieben Agenten sehr frei nach den Gebrüdern Grimm.

Sieben Geheimagenten im Auftrag Ihrer Majestät arbeiten für Königin Mathilde, die besorgt ist: Sollte die böse Drusilla mehr Macht im Nachbarland bekommen, dann ist es das Ende der Märchenwelt. Die Stieftochter, das gute Schneewittchen, ist der bösen Machthaberin dabei ziemlich im Weg und soll aus dem Weg geräumt werden. „Bei uns werden die Probleme anders gelöst", sagt Regisseurin Elke Ohlrogge. Ja, es gibt das Zwergenhaus, in dem Schneewittchen von fremden Tellern isst und in fremden Betten schläft, und ja, es gibt einen Zauberspiegel und sogar einen vergifteten Apfel. „Aber keinen gläsernen Sarg. Und der Zauberspiegel ist ein verzauberter, im Spiegel gefangener Junge namens Lars, der dazu verdammt ist, immer die Wahrheit zu sagen." Witzige Dialoge und urige Typen führen das kunterbunte Stück zu einem Happy End. Dafür proben seit Anfang Februar dreimal wöchentlich rund 50 Personen: „Alles Doppelbesetzungen." Mit dem Beginn der Proben unter freiem Himmel ist es auch mit der Ruhe für den benachbarten Grünspecht vorbei: „Der ist bei jeder Probe dabei und lacht uns furchtbar aus", erzählt Ohlrogge. Besonders kann man sich wieder auf die eingängige Musik von Marcus Schirmer freuen: „Richtig tolle Musik mit Gesang", fasst es Ohlrogge zusammen. Kinder, die gut zwei Stunden mit Pause durchhalten können, sind das Zielpublikum. „Die Kleineren nehmen auch immer noch was mit, auch wenn sie nicht alles verstehen. Und sitzenbleiben muss auch niemand volle zwei Stunden." Diese ganz andere Ära von Märchen sollte man einfach mal sehen, „wir Erwachsenen wollen auch unseren Spaß haben."

Spaß haben die Erwachsenen auch mit dem zweiten Stück „Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni, Premiere am 16. Juni um 20 Uhr. Diese Geschichte voller Verwicklungen und Verwechslungen sei unterm Strich „gar nicht kompliziert", versichert Schauspieler Rolf Meyer. Dieses klassische „Comedia dell arte"-Stück, uraufgeführt im Jahre 1746, erzählt vom Diener Trufaldino, der seine Chefin Beatrice, die als Mann verkleidet reist, nach Florenz begleitet. Arm und vom Hunger geplagt, nimmt er einen zweiten Dienerjob an. „Brandaktuell, sich mit mehreren Minijobs durchschlagen zu müssen", findet Meyer. Dass der zweite Herr Trufaldinos gleichzeitig der Geliebte Beatrices ist, der zufällig in der selben Herberge abgestiegen ist wie seine erste Herrin, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Regisseur Bernd Poppe tobt sich derzeit so richtig während der Proben aus: „Es sind ihm dabei schon unglaubliche Einfälle gekommen. Es ist ein sehr kurzweiliges Stück mit Tempo und Dynamik und einer Menge Situationskomik", das hervorragend in unseren hoffentlich italienischen Sommer passe. Beim Darsteller des Trufaldino, einer von zwölf Schauspielern, seien beinahe Hochleistungssportfähigkeiten gefragt. „Ich freue mich extrem auf dieses Stück", sagt Meyer. „Endlich wieder Goldoni nach langer Zeit, und es ist spannend, wie es sich auflöst."

Zurzeit herrscht über der Freilichtbühne Lilienthal das kreative Chaos: Ton- und Lichttechnik, Bühnenbau, Maske und Garderobe und nicht zuletzt das Schauspiel selbst – jedes Ensemblemitglied lässt seinen Ideen zunächst freien Lauf. „Und am Ende wächst alles zu einem großartigen Stück zusammen", sagt Ulla Hark-Sommer. „Ich freue mich jedes Mal auf das Ergebnis."

Die Freilichtbühne wird in dieser Saison zum letzten Mal so aussehen, wie wir sie schon seit Jahren kennen. „Am 9. September wird abgespielt", sagt die Bühnenleiterin Ulla Hark-Sommer. „Und am 11. September beginnen wir, hier alles plattzumachen." Wie es danach aussehen soll? Keine Ahnung – „wir wissen nur, dass alles anders wird. Und wir wissen nur so viel, dass es wieder Sitzplätze geben wird". Das ist doch schon mal eine beruhigende Aussicht für uns Zuschauer.