13.04.2018 Osterholz-Scharmbeck Von: Eva Kairies
„OHZ räumt auf“ hatte viele Mithelfende

Fremdschämen fürs Wegschmeißen

Spätestens, wenn Mitmenschen mit Handschuhen und Greifzange am Straßenrand zu sehen sind, sieht man, dass die Aktion „OHZ räumt auf“ noch immer aktuell ist.

„Dabei lernt man das in der Schule, dass man nichts einfach so wegschmeißt", sagte der siebenjährige Willi, der gemeinsam mit seinen Fußballkollegen vom FCO das Gebiet um das FCO-Zuhause Sportplatz Gut Sandbeck von Unrat befreit hatte. „Vielleicht haben die Erwachsenen in der Schule nicht zugehört", brachte FCO-Kickerfreund Ben (ebenfalls 7) den Gedanken nicht unrichtig zu Ende. Nur ein Zelt - das hätte Farin (7, FCO-Fußballer) wirklich gern gefunden – hatte niemand gefunden. „Nur eine Tüte mit kaputtem Geschirr", sagte Kumpel Willi. Aber das ist ja nicht das Gleiche.

Fremdschämen auch bei Frank Forstreuter und Daniel Kreschner: Die Familienväter, die mit ihren Familien um den Tinzenberg bis zum Osterholzer Hünengrab nach Müll suchten, sammelten, wie alle ihre Mitstreiter, immer wieder Zigarettenkippen ein. „Das ist peinlich mit den Kindern." Man ist nicht stolz, zu dieser Spezies zu gehören, die diesen sensiblen Planeten so ins Ungleichgewicht bringt, und sei es nur im Kleinsten: Radkappen, Prosecco-Flaschen, sorgsam im Plastikbeutel verpackter und zwei Meter weiter in die Natur unverrottbar geschmissener Hundekot, Verpackungsmüll und immer wieder diese Coffee-to-go-Becher, „sogar sehr schöne, hochqualitative und hübsch bedruckte", fand Ute Schwarzrock, die mit Doris und Uwe Ossenfeld das Gebiet um Handloge, Königsberger, Berliner und Posener Straße reinigte: „Papier, Zigarettenpackungen, Kaugummis, immer wieder Kippen, Zahnpastatuben, Tempos und sehr viel Alu und Verpackungen", resümierten sie.

„Man kann nicht nur auf diesen einen Tag im Jahr warten – jeder sollte immer mal was aufheben", appellierte Ina Barz an ihre Mitmenschen. „Ich verstehe das Fallenlassen nicht." Wenigstens Glück mit dem Wetter hatten die freiwilligen Müllsammler. Unter strahlend blauem Himmel sammelten zahlreiche Menschen im Vereinsverbund oder aus privatem Engagement nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch in einigen Ortschaften. Nach den Beobachtungen von Gabriele von Lessel-Drettmann (Lions Club Osterholz) hielten sich die Zahlen der Engagierten ziemlich konstant. „Eigentlich hätten wir noch weitersammeln können", sagten sich die Kolleginnen aus der Stadtverwaltung um Sonja Wriedt und erinnerten sich an den Beinahe-Spagat von Kollegin Jennifer Seidler über einen Graben, um an ein Stück Unrat zu gelangen. „Ohne Yoga wäre das unmöglich", lachte sie.

Aufhören, Müll aufzusammeln war nicht das Ziel, als wenigstens die Osterholzer Helfer bei Erbsensuppe, gesponsert von der Sparkasse Rotenburg-Osterholz, in der Mensa im Campus zusammensaßen. Ziel sei das Sensibilisieren für unsachgemäß entsorgten Müll. Auch die achtjährige Mara und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Ole sammelten mit wachsender Sammellaune den Müll der Anderen auf. Tante Ursula Herrenborg fühlte sich verpflichtet, da sie den vermüllten Zustand um die Weiten des Klärwerks durch das Jogging mit der Mutter der Kinder kannte. „Wir sind mit Sicherheit nächstes Jahr wieder dabei. Dann gibt’s wohl wieder Müll", glaubte sie an die Unbelehrbarkeit der Mitmenschen. Das zweistündige offizielle Müllsammeln wurde durch die Rundfahrt des ASO-Müllfahrzeugs beendet, der an festgelegten Müllsack-Abladeplätzen auf Sonderfahrt die Beute der Freiwilligen einsammelte.